EMERGE

Programm 2026

Das EMERGE Festival ist kein gewöhnliches Festival, wo du hier und da ein paar Workshops machen kannst.
Mit unserer Struktur der Pfade lässt es sich fast eher als sechs verschiedene Seminare, die parallel stattfinden, beschreiben. 
Nachfolgend findest du die Beschreibung der sechs Pfade.

Es gibt aber noch viel mehr wie „nur“ die Pfade:
Morgens kannst du mit angeleiteten Körper-Sessions in den Tag starten. Zwischen durch gibt es die Möglichkeit Kunst zu machen. Abends tanzen wir zu Live-Musik und DJ-Sets oder kuscheln bei der Poesie Nacht. 
Das weitere Programm findest du weiter unten.

Pfad 1

Dancing the political

Embodied process about social or political issues

The story, pain, and trauma we carry in our bodies are not just our own; they are shaped by social and political issues, by our family history, and by our roots. In this workshop, we will embody and improvise on social and political themes that you personally care about, using tools I’ve developed throughout my creative process over the years.

We will explore questions such as: what are the layers of my identity — in my dance, and life? And what does it mean to transcend identity, to let go of it, even if just for a moment?

We will research gender identity in our moving body.

As a Palestinian artist, especially in these times, I may also bring examples and references from my homeland. 

One of the exercises we might do: embody your collective, embody the “other side,” and then embody both within the same body.

This process can be emotional, but that doesn’t mean you need to be cautious of it. We will create space for these emotions through softness, conversation, and rest. You will never be pushed beyond your limits — we will hold the group together with sensitivity and care, and there will be plenty of joy as well.

Sprache: Englisch

Saed Mansour

Saed Mansour (he)

Saed is a freelance Palestinian performance artist, choreographer, dance teacher, and festival producer who was previously in tech. In his work, he aims to create spaces—be it as a performer, teacher, or festival producer—that focus on emotional, communal, and social/political processes.

Saed was born Palestinian with Israeli citizenship (20 percent of the country’s citizens hold this status). His life is political not by choice, but it is rooted deeply in his body and throughout past generations. A big part of his journey of teaching and performing is about dealing with and communicating the wounds carried by generational and ongoing trauma.

Pfad 2

Subliminal Instruments

Welcher Traum tanzt vor deinem inneren Auge? Welches Lied singt deine Intuition?

Wir lauschen dem Soundtrack unseres Unterbewusstsein und erforschen, wie Kunst und Musik als Subliminal Instruments wirken. Durch kreatives Experimentieren, Musizieren und die Kraft von Affirmationen, kommt unsere Intuition zu Wort und wir schaffen es Traumbilder und Traumklänge greifbar zu machen. Inspiriert von indigenen Wissenssystemen entwickeln wir so eine gemeinschaftliche Praxis für Wandel und Heilung. Die Manifestation einer wertschätzenden inneren und äußeren Heimat ist möglich.

Sprache: Deutsch

Tracy Abenaa Osei-Tutu

Tracy Abenaa Osei-Tutu (sie/universe)

Tracy ist Changemakerin und multidisziplinäre Künstlerin mit ghanaischen Wurzeln. In ihrer Arbeit sucht sie nach gesellschaftlichen Hebeln, die dekolonialen Wandel ermöglichen – ein Ansatz, den sie durch ihr politikwissenschaftliches Studium weiterentwickelt hat.

Mit Tanz, Musik, Malerei und Performance spricht sie die universelle Sprache der Vorstellungskraft. Ihre Kunst erinnert daran, dass Kreativität und Ausdruck allen zustehen, unabhängig von Herkunft, Alter oder Geschlecht. Sie erforscht außerdem das transformative Potenzial indigener Kulturen und Rückverbindungen zur Natur.

Ivo Hlavac

Ivo Hlavac (er)

Ivo ist multidisziplinärer Künstler, Art Director und politischer Ge-
stalter mit slowakischem Migrationshintergrund. Seine künstlerische Praxis bewegt sich zwischen Grafik, Performance und gesellschaftlichem Experiment  mit einem Fokus auf Transformation, visuelle Poesie und Bewusstsein.
Mit dem KinderKunstVerein schafft er kreative Erfahrungsräume für Kinder und
für Erwachsene, die wieder Kontakt zu ihrem inneren Kind suchen. In seiner gestalterischen und konzeptuellen Arbeit reflektiert er Themen wie Entwurzelung, Systemkritik und kulturelle Selbstermächtigung. Seine Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet.

Pfad 3

Noch mehr Spüren?

„Wenn wir wieder wahrnehmen“ lautet der Titel meines 2021 erschienenen Buches. Oft sagen Menschen zu mir: „Ich weiß nicht ob ich das will. Müssen wir denn immer noch spüriger werden? Das halte ich nicht aus.“

Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Nein, lasst uns das Vielspüren nicht zum neuen Dogma machen. Vielmehr wünsche ich mir, offene Fragen miteinander zu bewegen: Wie bleibe ich durchlässig in einer überfordernden Welt? Wann ist es gut, einen gesunden Schutz zu haben? Und wie geht das? Wir werden in diesem Pfad das Spüren ebenso erforschen wie die Taubheit. Wir lernen etwas über die Intelligenz unseres Organismus, speziell des Nervensystems. Wir atmen, spüren den Boden, uns selbst, einander. Wir erkunden unsere Bedürfnisse und Grenzen. Wir versuchen, eine Sprache zu finden, um all das mitteilen zu können. Und wir ordnen unsere Erfahrungen ein in den Gesamtkontext einer Gesellschaft, die so wie sie ist nur funktionieren kann, weil wir gelernt haben, uns taub zu machen.

Sprache: Deutsch

Heike Pourian

Heike Pourian (sie)

Ich verstehe mich als Wandelforscherin. Die Grundlage meiner Arbeit bildet die Contact Improvisation. Sie ist meine tänzerische Heimat und Experimentierfeld für transformatorische Prozesse. 2016 erschien mein Buch Eine berührbare Welt. Contact Improvisation als gesellschaftsbewegende Kultur, 2021 folgte Wenn wir wieder wahrnehmen. Wach und spürend den Krisen unserer Zeit begegnen. Meine Kraft fließt im Moment vor allem in den Aufbau der „Wegwarte“, einem Lern- und Forschungsraum für wahrnehmende Gesellschaftsgestaltung und fürsorgendes Wirtschaften. Und ich bin Mutter von zwei wundervollen erwachsenen Kindern. www.beruehrbarewelt.de www.wahrnehmen.org www.wegwarte.haus

Pfad 4

Tending the cracks

Trauer, Kollaps und die Kunst des Scheiterns

folgt…

Sprache: Deutsch

Mala Claer

Mala Claer (sie)

Vor über 10 Jahren hat meine etwa gleichalte Couchsurfing Gastgeberin in Neuseeland zu mir gesagt: ” Wir sind Generation Y. Das Y steht für eine Weggabelung. Unsere Gesellschaft kann nicht fortbestehen wie bisher. Sie wird sich in unserer Lebensspanne radikal verändern. By Design or by Disaster.”

Seitdem habe ich als Naturgeführte Prozessbegleiterin, Leiterin von Auszeiten in der Natur und Kulturweberin an der By Design Variante gearbeitet. Lange habe ich daran geglaubt, dass wir das Ruder noch rumreißen können.

Mittlerweile ist deutlich geworden, dass dieser Wandelprozess nicht ohne Disaster auskommt.
Meine Arbeit dreht sich nun um die Fragen Wie können wir resilient und liebevoll in Zeiten von gesellschaftlichem und ökologischem Kollaps leben? Wie können wir die Konsequenzen füreinander abschwächen? Wie kann es gelingen, eine lebenswerte Erde zu hinterlassen? Welche Begleitung brauchen die Kinder unserer Zeit von uns?

Ich bin Mutter eines Kleinkindes und wir leben zusammen mit meinem Partner im Hunsrück.

Maya Mahn

Maya Mahn (keine)

Ich drehe gerne Steine, Welt- und Selbstbilder um und schaue, was dort kriecht und krabbelt – was ist Nahrung, was eher Kompost?

Pfad 5

Sterbebegleitung für die Moderne

Welche tief eingefleischten Muster der Moderne prägen – trotz vieler Bemühungen – immer noch unser aller Aktivismus?

Was heißt Wirksamkeit auf Nervensystemebene?
Und wie könnte eine Sterbebegleitung der Moderne wirklich aussehen?

Dieser Workshop-Track ist nichts für „schwache Nerven“. Gemeinsam begeben wir uns auf ein Abenteuer in rauen Fahrwassern. Unser Unterfangen: möglichst tief und bezogen in unsere eigenen kolonialen Denk- Handlungs- und Fühlmuster einzutauchen.
Oder in anderen Worten: Wir betten uns in jene Lebensprozesse ein, die unsere Gesellschaft aktuell in den eigenen Tod führen.

Ausgangspunkt wird ein starkes Beziehungsnetz sein, das wir selber weben.
Von dort tauchen wir u.a. mit Methoden aus dem Theater der Unterdrückten ein in unsere kolonialen/weißen Muster.
Auftauchen tun wir (wenn’s gut läuft) mit einer Vision von entpolarisierendem Aktivismus.

Warum tun wir uns das an?
Aus Liebe zu allem was lebt.
Weil unser Aktivismus uns braucht.
Weil Leben ziemlich messy ist und wir da Schiss vor haben.
Weil Wirksamkeit nicht aus Dringlichkeit erwächst.
Und weil wir eh nicht wirklich weiterwissen…

Anmerkung: Wir beziehen uns in dem Pfad auf die Bücher „Hospicing Modernity“ und „Outgrowing Modernity“ sowie die Arbeit vom Gesturing Towards Decolonial Futures – Kollektiv. Diese richtet sich explizit an weiße Menschen aus dem globalen Norden, die sich ihrem verinnerlichten Kolonialismus widmen wollen – nicht um sie zu befreien, sondern um Komplexitäten & Verstrickungen sichtbarer zu machen.

Sprache: Deutsch

Robin Dirks

Robin Dirks (er)

Robin ist Weltenwandler, werdender Vater, Nervensystemaktivist, Regionalbestäuber und durch und durch Gemeinschaftstier. Seine Arbeit ist geprägt von der tiefen Auseinandersetzung mit der Frage wie wir uns als Menschen (wieder) in etwas Größeres einbetten können. Auf seiner Reise durch viele Länder und Kontinente, durch viele Seminare und Ausbildungen und viele Wälder und Landschaften hat er die Übergangsbegleitung als seine Herzensarbeit entdeckt. Robin ist im Werra-Meißner-Kreis verwurzelt, wo er sich zunehmend in die regionalen Mythen und Lebensnetzwerke einbettet. Sein Geld verdient er als Prozessbegleiter. Sein Zuhause ist das Haus in der Blume, ein Salamanderschutzgebiet und Ort für Retreats und Regeneration. Für Robin ist die Auseinandersetzung mit seinem Weißsein und verinnerlichten Kolonialitäten eine aufregende Lernreise & Rückkehr zu intimer Bezogenheit mit allem was lebt.

Leon

Leon (er)

Ich bin Leon, 32 Jahre alt, Rote Beete lässt mich eher kalt. Die Omnipräsenz ihrer ist mir zu viel und ein gesunder Umgang wäre weniger. Das möchte ich auch gerne in meinem Leben einladen: weniger von allem, weniger Luxus, mehr Komposttoiletten; mehr Verbindung mit dem, was uns umgibt und weniger ein Fliehen in globale Strukturen. Damit möchte ich mich nicht aus unserer Verwobenheit und dadurch Komplizität etlicher Ungerechtigkeiten und Gewalt an der menschlichen und nicht-menschlichen Welt entziehen, sondern eher die Frage aufwerfen: Wie geht das, oder geht das überhaupt lokal resiliente Strukturen aufzubauen, die genau diese Region mit all dem versorgen was nötig ist. Was ist “nötig” und wer entscheidet das? Und was ist diese Verwobenheit und Komplizität und wie lassen sich diese emotional halten, ohne wegzuschauen? Wie kann die Natur die uns umgibt nicht zu Geschichte werden, sonder wie können Geschichten helfen eine lebenzentrierte Verbindung zu schaffen und nicht eine anthropozentrische? Kurz: Mich interessieren Kolonialität und ein anstreben dekolonialer Strukturen und somit postkapitalistischer und nicht patriarchaler. Mich interessieren Mythen und Geschichten und die Kraft hinter oraler Kultur gegenüber naturwissenschaftlicher. Das Aufbrechen von Dualismen und Spektren, die Verbindung zur Natur. Der Mut zu sprechen, was einen bewegt und Demut zu zeigen vor dem, was ist, was war und immer sein wird.

Pfad 6

WE - Re-emergence of the collective instinct

In the midst of complex paradigm changes and falling empires, bunches of overly individualized people are craving to return to a collective form that has been long forgotten and seems to be inaccessible. We try to find meaning in facts and ideologies, or in the repetition of ancient forms, but nothing seems to work completely, as we continue the insane race towards an undesired fragmented destiny.

But, what if the highest form of intelligence and expression we can experience together is not rational? What if there’s an immaterial field that comes to life when we become part of a bigger circle? What if this common field of undiscovered potentiality is the doorway to our next steps in evolution?

WE is an invitation to reconsider what you (think you) know about humans in a collective state. And to experience the possibility of letting our natural instinct guide us back to where we always belonged: The flock, the pack, the nest, the hive, the tribe

From morphic resonance to contact improvisation, from anarchy to somatics. A body oriented process with creativity as the igniting fire. Biology, politics, psychology and arts weaving together in this collective countercultural exploration, becoming a possible antidote for a world in dissociation.

Sprache: Englisch

Nicolás Cambas

Nicolás Cambas (he)

Hi, my name is Nicolas.
I consider myself a curious experimentalist — sometimes an artist, sometimes a teacher, sometimes a therapist, always a student of life. I’m inspired by creativity, intuition, ancient traditions, nature, and the power of the collective. I believe our deepest potential is to be original creators.
I grew up in Argentina, where social and political unrest led me to leave academia and become a nomadic clown. I traveled across South America performing in the streets and connecting with ancestral and shamanic cultures in the Andes and the Amazon. Along the way, I trained in theatre, improvisation, and diverse therapeutic and shamanic modalities, engaging in social and therapeutic work in war and displacement contexts (Colombia, Ecuador, Venezuela, Palestine). Through embodiment, I developed a personal pedagogical approach that integrates these experiences, later sharing my research in Europe within the transpersonal psychology field.
These paths led me to found CaminoCreativo (www.caminocreativo.net). For 18 years now, I’ve facilitated creative and therapeutic processes for people of all ages and backgrounds worldwide.
I’m currently studying Gestalt psychotherapy and Somatic Experiencing.

Das weitere Programm

Theresa Leisgang (sie)
Gerriet Schwen (mixed pronouns)

Rave Ritual: Facing Collapse

Montag, 20:30uhr

Was wäre, wenn wir radikal ehrlich anerkennen, wo wir gerade stehen?
Und einmal nicht verdrängen, was das in uns auslöst?
Let’s face it: Das kann überwältigend sein. Aber wir sind viele. Wir sind zum Camp gekommen, weil wir wissen, wie es um die Welt steht. Weil wir tief entschlossen sind, uns für bestmögliche Zukünfte einzusetzen.
In diesem 90-minütigen Rave-Ritual schaffen wir gemeinsam einen Raum, in dem es keine Worte zwischen uns braucht. Wir tanzen durch das Unaussprechliche, wir schütteln uns frei, wir atmen, wir schwitzen.
Zum Beat der Musik lassen wir Emotionen wie Wellen durch unsere Körper fließen und bewegen, was im Alltag zu oft steckenbleibt. Die Wiese wird zum Dancefloor, unsere Dancemoves zum Ritual.

SAKURI (dey)

Make Rhythm Resistant Again

Donnerstag, 20:30uhr

SAKURI ist multi-Genre-Künstli und setzt sich als Vorstandsmitglied des Tanz- und Kulturkollektivs Ecstatic Cuties e.V. (Festivals wie das „Juicy Lab“ in Berlin) für queere und gerechtere Kunst und Kultur im deutschsprachigen Raum ein. Mit der Projektgruppe „Leaving Handprints“ hat dey ein Tool zur Steigerung der sozialen Nachhaltigkeit von (Musik-) Festivals entwickelt.
Musikalisch stark von Hip-Hop und elektronischen Tanzmusiken beeinflusst, forscht SAKURI am widerständigen Potential von Tanzflächen.
Queeres Empowerment, tanzbarer Widerstand und verspielter Selbstausdruck sind die Schlagworte, die live mit eigenen Songs, dem Einsatz von Posaune und pointierten, aktivierenden Vocals – inspiriert von der Verbindung von DJing und des ursprünglichen MCings bei den ersten Block- und später House-Parties in Schwarzen und Queeren
Communities im USA der 1970er und 1980er – umgesetzt werden.
Born to slay and speak critique. All that in nice dresses. Artsy, weird, electronic, lyrical, nasty, queer, 161.

Musik und mehr von SAKURI: https://linktr.ee/sakuri.dance

Louka Ananda (keine/mixed pronomen)

Konzert

Die Lieder, die sich durch mich zeigen, kommen aus Berührung. Sie lehnen sich gegen das Tempo der Welt, langsam, verletzlich und beharrlich. Sie laden ein zum Innehalten, wieder wahrzunehmen.
Meine Stimme sucht darin einen Boden für Beziehung.
Wo bist du, wenn ich mich so zeige?
So öffnet sich manchmal ein Raum für das, was zögert, für das, was gerade erst ins Leben findet und doch schon ein Lied in sich trägt. Eine leise Form von Widerstand, gewachsen aus meinem Lauschen, zum Herz der Dinge.

 

Wir basteln gerade noch am Programm. Weitere Programmpunkte folgen…